Wohnmobil auf einsamer Landstraße

Von der PET-Flasche bis zur Solardusche: Welche Campingduschen gibt es unterwegs?

Nur eines vermisst man in der Natur beinahe so schnell wie das stille Örtchen – eine anständige Dusche. Eine eigene Dusche ist nicht nur aus Hygienegründen eine gute Idee, sondern auch, wenn man ein wenig Privatsphäre im Freien schätzt. Welche Campingduschen es gibt, wollen wir Ihnen in diesem Artikel zeigen.

Dusche und Klo im NirgendwoEin paar Grundlagen

Beim Duschen in der Natur ist ähnlich wie beim Toilettengang die oberste Maxime, so wenig Verunreinigungen wie möglich zu hinterlassen. Im Fall der persönlichen Duschvorrichtung bedeutet das:

  • Ein möglichst geringer Wasserverbrauch. Gerade wenn es sich um chemisch verunreinigtes Wasser handelt – wie das beim Duschen mit Seife nun mal der Fall ist – sollte davon nur so viel wie nötig verwendet werden. Am besten auch immer ein wenig abseits von Gewässern duschen.
  • Wenn schon Seife benutzen, dann am besten eine ökologisch abbaubare Alternative. Wenn Sie nicht weiter als bis zum Drogeriemarkt um die Ecke gehen wollen, ist simple Kernseife immer noch die beste Wahl. Ansonsten bieten Trekkingausrüster auch spezielle Reiseseifen an (zum Beispiel von Sea to Summit oder Vaude). Selbst hier gilt aber: hundertprozentig biologisch abbaubar ist keine Seife. Daher ist der letzte Tipp hierzu wie schon beim Wasser: sparsam benutzen.

Tipp: Wer sie nicht eh schon kennt, kann die sieben Grundregeln für nachhaltiges Trekken und Campen (LNT – Leave No Trace) noch einmal hier nachlesen.

Die Kriterien: Worauf kommt es an?

Hängeschild, zeigt links nach warm und rechts nach kalt
Welche Dusche am besten zu Ihnen passt, müssen Sie natürlich selbst entscheiden. Die häufigsten Fragen, die sich dem Camper bei der Entscheidungsfindung stellen, sind:

  • Wie aufwändig ist der Transport (Größe und Gewicht)?
  • Wie einfach oder kompliziert ist der Auf- und Abbau?
  • Wie hoch soll der Komfort beim Duscherlebnis selbst ausfallen?
  • Wie hoch ist der Preis des Badespaßes?
  • Kann auch warm geduscht werden?

1. Für Unkomplizierte: die PET-Flasche

Simpel, nicht unbedingt elegant, aber vor allem unaufwändig:

Man nehme eine beliebig große PET-Flasche und einen zusätzlichen Schraubdeckel. Anschließend benötigt man lediglich eine spitze (eventuell auch heiße) Nadel und bohrt ein paar kleine Löcher in den Deckel. Wasser rein – umdrehen – duschen.

Wasser aus einer Pet-Flaschendusche

Ob ein halber Liter oder zwei: Man braucht nur den Schraubverschluss wechseln, und schon wird aus der Trinkflasche eine Dusche.

Transport

Einfacher geht’s nicht – die Dusche ist gleichzeitig die Wasserflasche, die man sowieso dabei hat. Das einzige Zusatzgepäck besteht aus einem Extradeckel. Gerade für Rucksackwanderungen die wohl platz- und gewichtssparendste Lösung.

Auf- und Abbau

Dieser Punkt erübrigt sich eigentlich vollständig.

Komfort

Zugegeben, hier muss man bei der Dusche Marke Eigenbau gewisse Abstriche machen. Hat man nicht jemand anderen, der die Flasche für einen hält, muss man sich selbst aushelfen und hat dementsprechend nur eine Hand frei, während das Wasser läuft. Außerdem fällt je nach Größe der Flasche die Duschsitzung recht kurz aus.

Preis

0-2 Euro. Wer bereits eine Plastikflasche sein Eigen nennt, hat damit sozusagen eine kostenlose Dusche. Eine neue zu kaufen sollte aber auch kein Problem darstellen.

Warmduschertauglich?

Bedingt. Wer im Auto reist, kann die Flasche so platzieren, dass sie möglichst viel Sonne abbekommt und sich das Wasser von selbst erhitzt. Darauf zählen sollte man nicht. Eine andere Option ist immer noch, das Wasser im Topf zu erhitzen und abzufüllen. Doch Vorsicht: Plastik reagiert nicht gut auf kochendes Wasser! Immer erst mit kalten Wasser mischen.

Fazit

Geringer Komfort, dafür geringer Preis und wenig Aufwand. Für den Liebhaber einfacher und schneller Lösungen ist die PET-Flasche durchaus eine Alternative.

2. Für Sonnenfreunde: die Solardusche

Das Prinzip ist denkbar einfach: der schwarze Sack wird in die Sonne gelegt und heizt das darin befindliche Wasser auf. Anschließend wird der Beutel an einen Ast gehängt oder auf einen Felsen gelegt und der Hahn geöffnet – schon regnet es zarte, warme Tropfen aufs Haupt.

Schwarze Solardusche von Enders

Die Solardusche von Enders gibt’s bei uns im Shop.

Transport

Der Beutel kann mit geringem Platzaufwand im Rucksack verstaut werden. Solarduschen sind in verschiedenen Größen von 10 bis 40 Litern erhältlich.

Auf- und Abbau

An sich klingt der Aufbau nicht schwierig: mehr als einen geeigneten Ast oder Felsen zum Aufhängen/Auflegen braucht es nicht. Probleme ergeben sich nur, wenn man sich tatsächlich in einer baum- und felsfreien Gegend befindet. Außerdem hält auch nicht jeder Ast einen 20-Kilo-Sack aus. Für gewöhnlich sollte die Handhabung jedoch wenige Probleme bereiten.

Komfort

Gerade wenn das Wasser im Sack tatsächlich warm ist, kommt man mit der Solardusche bereits recht nahe an ein echtes Duscherlebnis heran. Man hat die Hände frei, und die 20 Liter sind mehr als ausreichend selbst für Marathonduscher.

Preis

13-30 Euro. Ein Preis, der sich auf jeden Fall zum Ausprobieren lohnt.

Warmduschertauglich?

Genau hierfür ist die Solardusche gemacht. Doch darf man nicht vergessen, dass die Solardusche auch tatsächlich Sonnenlicht braucht, um ihren Zweck zu erfüllen. Gerade an kalten und grauen Tagen – an welchen man sich besonders auf eine warme Dusche freut – ist der Solardusche womöglich genauso kalt wie einem selbst. Genauso kann es passieren, dass unter zu starker Sonneneinstrahlung das Wasser zu heiß wird. Da das Mischen von Wasser nur bedingt möglich ist, muss gelten: warm ist nicht gleich warm!

Fazit

Auch die Solardusche ist wie die PET-Flasche relativ einfach zu handhaben, kostengünstig und besticht zudem durch Wärme aus erneuerbaren Energien. Die Abhängigkeit von besagter Energiequelle und eventuelle Schwierigkeiten beim Finden eines geeigneten Befestigungsortes können das Erlebnis allerdings trüben.

3. Für Genießer: die tragbare Campingdusche

Das Edelmodell für Komfortliebhaber. Der Wassertank wird mit einigen kräftigen Pumpstößen unter Druck gesetzt und fließt anschließend von selbst nach oben. In Verbindung mit der passenden, faltbaren Duschkabine entsteht so eine Dusche, welche dem Äquivalent in der eigenen Wohnung in kaum etwas nachsteht.

Mit Urlaubsgepäck beladener Kofferraum

Wenn Sie noch Platz im Kofferraum haben, können Sie sich auch überlegen, eine tragbare Campingdusche einzupacken.

Transport

Diese Variante eignet sich logischerweise nur für Campingausflüge, bei welchen man über ein Auto verfügt – für Rucksacktouren ist dieses Gerät einfach eine Nummer zu groß. Bei nur knapp einem Kilo Leergewicht muss man allerdings nicht fürchten, sich zu Tode zu schleppen.

Auf- und Abbau

Die Dusche an sich benötigt nicht viel mehr als einen festen Untergrund und ein paar Stöße mit der Pumpe, um Druck aufzubauen – schon kann’s losgehen. Wer die Duschkabine nicht missen möchte, ist jedoch selbst damit nicht allzu lange beschäftigt. Einen informativen Erfahrungsbericht dazu bietet Petra auf holozaen.de.

Komfort

Hier schlägt die tragbare Dusche ihre Mitbewerber um Längen. Duschkabine, Wasser auf Knopfdruck – was will man mehr?

Preis

45-80 Euro. Wie zu erwarten muss man für die Luxusvariante auch das meiste Geld hinlegen. Wer sich aber sonst nichts gönnt, ist hier eventuell genau richtig.

Warmduschertauglich?

Ja. Der Kanister lässt sich beliebig mit der persönlichen Lieblingsmischung an warmem Wasser auffüllen – vorausgesetzt natürlich, man erhitzt es zuvor selbst.

Fazit

Wenn Ihnen der Stauraum und das nötige Kleingeld für diese Edeloption zur Verfügung stehen, werden Sie an ein derart heimeliges Duscherlebnis wohl auf keine andere Weise herankommen.

4. Für Zweckentfremder: der Pumpsprüher

Zum Abschluss möchten wir Ihnen noch eine Idee vorstellen, die wir bereits in unseren Camping-Tipps erwähnt haben: der handelsübliche Pumpsprüher. Eigentlich sind diese Gartengeräte für das Gießen und Düngen von Pflanzen mit Chemikalien gedacht, doch sie funktionieren auch einwandfrei als Handduschen.

Transport

Drucksprüher von Gloria

Wenn die Pflanzen damit duschen dürfen, warum nicht auch der Camper? © http://www.gloriagarten.de

Genauso wie die tragbare Dusche (etwas anderes ist der zweckentfremdete Pumpsprüher im Prinzip ja nicht) eignet sich auch diese Variante nur für Camper mit Stauraum. Mit durchschnittlich fünf Litern Fassungsvermögen fällt das Duschen eventuell kürzer aus als beim Vorgänger, doch ist das Gerät dadurch auch leichter zu tragen.

Auf- und Abbau

Der Aufwand ist auch hier ähnlich gering wie bei der tragbaren Variante, die sich Petra zugelegt hat. Ob sich der Hahn des Pumpsprühers mit der Duschkabine verbauen lässt, haben wir noch nicht getestet. Unmöglich scheint es nicht.

Komfort

Der Nachteil dieses Modells besteht einzig darin, dass man den Abzug gedrückt halten muss, um Wasser laufen zu lassen. Zu zweit hat man hier wohl wesentlich mehr Spaß als alleine. Der Vorteil dagegen sind die feinen Einstellmöglichkeiten des Ventils. Beim richtigen Zerstäubungsgrad kann ein großflächiges Abduschen bei gleichzeitig sehr geringem Wasserverbrauch erreicht werden.

Preis

25-50 Euro. Etwas günstiger als das eigens als Dusche vermarktete Modell, befindet man sich hier in einem Preisbereich, der nur knapp über dem einer Solardusche liegt.

Warmduschertauglich?

Ja. Auch der Pumpsprüher kann mit heißem und kaltem Wasser in der richtigen Mischung gefüllt werden.

Fazit

Ein bisschen kleiner, ein bisschen unhandlicher, dafür auch ein bisschen günstiger und – ganz ehrlich – auch ein bisschen verrückter. Der Pumpsprüher als Campingdusche ist das perfekte Beispiel dafür, wie es sich mit ein wenig Einfallsreichtum wesentlich komfortabler duschen lässt, als man denkt.

Mann, der unter einem Wasserfall duscht

Die beste Option ist natürlich nach wie vor, stets seinen eigenen Wasserfall dabei zu haben.

War’s das?

Wir hoffen, Ihnen mit dieser kleinen Übersicht einige hilfreiche Tipps für Ihr Camping-Badezimmer gegeben zu haben. Falls Sie der Meinung sind, dass keine der genannten Optionen Sie anspricht, haben wir zum Schluss noch ein paar (weniger ernst gemeinte) Vorschläge für Sie:

  • Die klassische Gießkanne. Wie ein Pumpsprüher, nur ohne Druck. Und kleiner.
  • Seinen eigenen Wasserfall mitzunehmen ist eventuell ein wenig aufwändiger, dafür bestimmt ein echter Hingucker (für die Vögel).
  • Die Deodusche soll angeblich sowieso die bessere Alternative zur herkömmlichen Dusche sein. Ob das auch für die freie Wildbahn zählt, muss noch geklärt werden.
  • Sollte alles nichts helfen, macht man es der Fauna nach und stellt sich in den nächsten Regen. Einfach Kleider ausziehen und warten.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, dass Ihr nächster Campingausflug dementsprechend ins Wasser fällt – oder zumindest das Wasser auf Sie!

Mann steht in Gewitterregen

Zur Not einfach warten. Der nächste Regen kommt bestimmt.

Bilder:

© flickr.com / Jonathan; Tim Rizzo

© commons.wikimedia.org / Mummelgrummel

© campingtoilette-guenstig.de

© iStock.com / ChiccoDodiFC; EyeEm; Kuzma; visuall2