Minicamper am Strand

Große Freiheit auf kleinem Raum – So bauen Sie sich Ihren eigenen Minicamper aus

Sie träumen von einem selbst ausgebauten Minicamper, mit dem Sie in alter Hippie-Manier völlig ungebunden reisen können – weit weg von Alltags-Konventionen und Massentourismus? Hier gibt es Experten-Tipps zum Thema Selbstausbau u.a. von Camper Martin Schöneweiß, der sich erfolgreich an den Ausbau eines VW-Bus T5 gewagt hat.

Welche Fahrzeuge sind für den Ausbau geeignet?

Kastenwagen

Wem ein Dach über dem Kopf bzw. eine mobile Schlafgelegenheit ausreicht; wer kein Problem damit hat, seine Mahlzeiten mit einem einfachen Campingkocher zuzubereiten – der ist gut mit einem Kastenwagen beraten.

Aufgrund des begrenzten Platzes empfiehlt sich beim Kastenwagen, zusätzlichen Stauraum auf dem Dach zu schaffen. Der kleinste unter den Minicampern bietet zwar keinen Raum für unnötigen Luxus, ist dafür aber relativ günstig zu haben. Beliebte Modelle sind zum Beispiel der Opel Combo, VW Caddy, Renault Traffic oder der Ford Courier.

Opel Combo

Der Opel Combo – nicht nur zum Warentransport bestens geeignet

Minivan

Ein Minivan bietet etwas mehr Platz als ein Kastenwagen. Neben einer Schlafmöglichkeit kann in den meisten Modellen außerdem auch eine zusätzliche Sitzgelegenheit mit eingebaut werden. Zusätzlicher Stauraum kann hier ebenfalls durch ein Hochdach und durch wegklappbare Bänke geschaffen werden.

Mit seiner kompakten Größe bietet der Minivan zudem einen wesentlichen Vorteil gegenüber den klassischen Transportern: Die Mobilität im Stadtverkehr ist nicht eingeschränkt! Die populärsten Modelle: Chrysler Voyager, VW Sharan und Renault Espace.

Chrysler Voyager

Der Chrysler Voyager bietet genügend Raum für eine Schlaf-und Sitzgelegenheit

Transporter

Der beliebte Klassiker bietet eindeutig am meisten Platz und ist damit optimal für den Ausbau zum Wohnmobil geeignet. Mit etwas cleverer Planung können hier sowohl Schlafgelegenheiten, Sitzplätze, eine kleine Einbauküche sowie Schränke und Staufächer Platz finden. Einziger Nachteil: Die Mobilität ist eingeschränkter als bei den ersten beiden Varianten.

Das mit Abstand am meisten gefragte Modell unter den Transportern ist und bleibt der klassische VW-Bus – und das mit langer Tradition. Selbst beim neuesten Modell, dem VW T6, sind trotz modernisierter Optik noch eindeutig die Grundformen des berühmten 60er Jahre-Wagens erkennbar. Günstigere Alternativen sind der Fiat Ducato, der Peugeot Boxer oder der Renault Kangoo.

VW T5

Der VW T5 – eindeutig der Beliebteste unter den Minicampern

Vor dem Ausbau – Gründliche Planung ist alles

Bevor das Projekt Minicamper-Ausbau starten kann, sollten einige Aspekte genauestens geplant werden:

  • Die Komponenten des Ausbaus bezüglich der Inneneinrichtung
  • Die Ausstattung
  • Das Budget
  • Der Zeitaufwand

Letzterer kann individuell verschieden ausfallen – nach Erfahrung des Ausbau-Experten Martin Schöneweiß sollte man jedoch mindestens drei Wochen reine Arbeitszeit einplanen:

„Für einen kompletten Selbstbau (Schlafbank, Hochdach, Küche und Technik) sollte man ca. 21 (Bau)Tage einplanen. Zumindest habe ich so lange gebraucht. Der gesamte Bau hat sich dann mit Pausen über 5 Monate erstreckt, da ich ja nicht 21 Tage am Stück bauen konnte.“

Folgende Fragen sollten Sie sich daher im Vorfeld stellen:

Checkliste für die Ausbauplanung

  • Wie viele Personen reisen mit?

Je nachdem, ob Sie alleine oder mit Begleitung reisen, sollten Sie die Inneneinrichtung dementsprechend flexibel und platzsparend gestalten – sei es durch verschiebbare bzw. wegklappbare Bänke und Schlafgelegenheiten oder durch zusätzlichen Stauraum.

  • Für welchen Zweck ist der Camper?

Kurze Wochenendtrips, mehrwöchige Touren oder sogar Dauercamping-Gefährt? Seien Sie möglichst ehrlich zu sich selbst! Denn es ist ein großer Unterschied, ob man nur zwei Tage oder doch zwei Wochen mit dem Minicamper reist. Die Ausstattung sollte dementsprechend angepasst werden.

  • Wieviel Stauraum benötige ich?

Auch hier kommt es darauf an, wieviel Personen mitreisen und welche Art von Trip Sie planen. Für einen Surf- oder Fahrradurlaub beispielsweise empfiehlt es sich, Unterbringungsmöglichkeiten für das Equipment außen am Wagen anzubringen wie einen Dachträger.

  • Was will ich darin machen?

Reicht Ihnen nur eine Schlafmöglichkeit? Oder wollen Sie in Ihrem Minicamper auch kochen, Lebensmittel kühlen, essen, waschen etc.?

  • Wieviel Komfort und welche Ausstattung benötige ich?

Möchten Sie möglichst viel Komfort auf kleinem Raum? Oder reicht Ihnen ein Survivalmobil, das Ihnen lediglich einen Platz zum Schlafen bzw. ein Dach über dem Kopf bietet? Viele nutzen das Touren im Wohnmobil auch dazu, um sich bewusst eine Auszeit von den Ablenkungen des Alltags wie TV und Internet zu nehmen und sehen gerade in der minimalistischen Lebensart den Kern der Erholung. Was erwarten Sie von Ihrer Minicamper-Tour?

VW T5 vor dem Ausbau

Tipp: Skizzen erstellen!

Um eine sinnvolle Raumaufteilung zu gewährleisten, empfiehlt es sich in jedem Fall, Skizzen mit den genauen Maßen des Wohnmobils zu erstellen. Viele Fahrzeughersteller stellen online PDFs der Modelle mit Grundrissen sowie Fahrzeugmaßen zur Verfügung, die Sie für Ihre Planung verwenden können – ansonsten einfach direkt dort anfragen.

Zwar können Sie Grobskizzen auch mit Bleistift, Papier und Lineal anfertigen – eine professionellere und sorgfältigere Planung ist jedoch mit einem Grafikprogramm, zum Beispiel Corel Draw möglich (Hier ist z.B. ein Entwurf des Wohnmobilausbaus eines Fiat Ducato). Mithilfe des Programms können Sie das PDF des Fahrzeugherstellers direkt hochladen und bearbeiten.

 

Checkliste für die Budgetplanung:

Wie teuer der Ausbau eines Reisemobils ist, lässt sich natürlich nicht pauschal sagen. Das ist individuell ganz verschieden und von mehreren Gesichtspunkten abhängig:

  • Materialkosten

Das richtet sich zum einen nach dem allgemeinen Zustand des Minicampers – ob dieser gebraucht ist und erstmal aufpoliert werden muss oder nagelneu und vollkommen funktionsfähig – zum anderen nach Ihren individuellen Wünschen bezüglich Ausstattung und Zubehör.

  • Benötige ich professionelle Handwerker?

Seien Sie ehrlich zu sich selbst und realistisch: Brauche ich einen Handwerker oder reichen meine Fähigkeiten für den Eigenbau aus?

Für die Installation der Elektrik empfiehlt es sich allein schon aus sicherheitstechnischen Gründen, einen Profi zur Rate zu ziehen. Auch um die Möbel fahrtsicher zu machen, sollte die Unterstützung eines Handwerkers aufgesucht werden. Professionelle Handwerker und Elektriker kennen sich zudem bestens mit den aktuellen TÜV-Bestimmungen aus, die Sie auf keinen Fall vernachlässigen sollten.

Ansonsten kann es sich durchaus lohnen, so viel wie möglich selbst auszubauen – auch wenn das selbstverständlich zeitaufwendiger ist. So fielen die Kosten bei Martin Schöneweiß für seinen Selbstausbau im Vergleich zu einem vollständigen professionellen Wohnmobilausbau deutlich geringer aus:

„Die Materialkosten beliefen sich auf ca. 13.000 €. Wenn man den Camper (z.B. Trio Style) bei Reimo Pan in Bochum bauen lässt, fängt das bei ca. 18.000€ an.“

Auf seinem „T5 Ausbau Blog“ hat er zum Vergleich die vollständige und detaillierte Kalkulation der Ausbaukosten sowie des Arbeitszeitaufwands zur Verfügung gestellt.

Budgetplanung

Der Ausbau: Das sollte und kann rein!

Die Basics

  • Stromversorgung:

Diese ist vor allem davon abhängig, ob man mit dem Minicamper größtenteils unterwegs ist oder sich vorwiegend auf Campingplätzen niederlässt. Die Empfehlung von Martin Schöneweiß:

Stehe ich überwiegend auf Campingplätzen, reicht i.d.R. ein Außenstrom-Anschluss für 220V und Aufladen der 12V Batterien – ansonsten sollte man auf eine autarke Stromversorgung (große Batterien und Solar) zurückgreifen“.

  • Stromversorgung im MinicamperWasserversorgung:

Wassertank oder Kanister? Der Vorteil eines Wassertanks ist, dass man für längere Zeit fließendes Wasser hat. Der Nachteil: Das Wiederauffüllen mit dem Schlauch ist nicht überall möglich und es müssen dementsprechende Versorgungsfahrten in den Trip miteingeplant werden. Solche Unterbrechungen fallen bei Kanistern weg, die man so gut wie überall – auch in Gast- und Raststätten befüllen kann.

  •  Kochmöglichkeit:

Ob man eine festeingebaute Küche oder platzsparende Außenküche haben möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Gehören Sie zu den Reisenden, die bevorzugt in Gaststätten essen – auch weil es Teil des Urlaubs ist, fremde Kulinarik kennenzulernen – reicht selbstverständlich ein kleiner Campingkocher für das Kochen kleinerer Zwischenmahlzeiten.

  • Kochnische im MinicamperSchlafmöglichkeit:

Beim wichtigsten Bestandteil des Minicampers gibt es einige Möglichkeiten des Selbstausbaus. Ob Schlafbank mit Gleitschienen wie im T5 von Martin Schöneweiß, umklappbare Sitzecke oder ein Bett im Hochdach – auf jeden Fall sollte der Schlafplatz im Minicamper stabil und komfortabel sein.Schlafmöglichkeit im Minicamper

Weitere Extras

  • Campingkühlschrank:

Für längere Touren ein Muss, denn gewisse Basisnahrungsmittel sollte man immer auf Vorrat haben. Doch welcher Kühlschrank ist geeignet? Diese kleine Übersicht an Campingkühlschränken sollte Ihnen helfen. Planen Sie nur einen kurzen Wochenendsurftrip, wollen aber dabei nicht auf eine kühle Erfrischung verzichten, reicht auch eine kleine Kühlbox mit Kühlakkus.

  • Duschkabine:

Praktisch, aber Achtung – das nimmt sehr viel Platz weg und der Einbau ist – wenn überhaupt – nicht nur kompliziert, sondern auch aufwendig. Ansonsten einfach lieber in Raststätten duschen – oder unter einer Solardusche wie unser stabiles Modell mit einem Füllvermögen bis zu 20 l Volumen.

  • Campingtoilette:

Ein sehr großer Vorteil, wenn unterwegs weit und breit keine Raststätte, Tankstelle oder Ähnliches in Sicht ist. Dabei nimmt eine mobile Toilette kaum Platz in Anspruch und kann ganz leicht verstaut werden.

  • Mobiles Internet:

Den meisten Reisenden reicht der Internetzugang übers Handy und Hotspots. Vielleicht genießen Sie es sogar, mal eine Zeit lang vollkommen abgeschnitten von der digitalen Welt zu sein? Für Dauercamper oder gar Selbstständige, die unterwegs arbeiten müssen, kann jedoch Internet über Satellit sinnvoll sein. Wie das geht, erklärt Ihnen dieser Artikel.Satellit am Wohnwagen

Tipps für die TÜV-Abnahme:

Es bringt steuerliche Vorteile, sich seinen Minicamper vom TÜV als Wohnmobil eintragen zu lassen. Dafür müssen jedoch gewisse Kriterien und Sicherheitsbestimmungen erfüllt sein. Die Empfehlung von Martin Schöneweiß:

Es ist unerlässlich ein Bett, Tisch, Schrank und auf einer Fläche von ca. 1m² eine Stehhöhe von mindestens 1,80m zu haben. Wichtig ist, Komponenten mit TÜV-Gutachten zu verbauen, damit man z.B. die Sitze bei der Schlafbank eingetragen bekommt. Und natürlich müssen alle Einbauten fest mit der Karosserie verbunden sein, damit im Falle eines Unfalls keine Möbel durch die Gegend fliegen.“

Nach dem Ausbau – Was muss ich beachten?

Das Projekt Minicamper-Ausbau ist erfolgreich beendet – die Tour kann starten, oder? Bevor Sie sich jedoch in das Campingabenteuer stürzen, sollten sie vor lauter Enthusiasmus folgende Aspekte nicht vergessen:

  • Die Wohnmobilversicherung

Nach erfolgreicher TÜV-Abnahme und Neuzulassung als Wohnmobil stellt sich die Frage nach der passenden Versicherung. Welche die Günstigste für Ihren Minicamper ist, können Sie mit diesem Vergleichsrechner herausfinden.

  • Wo darf ich fahren?

Prinzipiell gilt: „Mit Campern auf Bus-Basis darf man überall fahren; ein Bus mit Hochdach ist ca. 2,70m hoch, doch das ist selbst für kleine Brücken eigentlich kein Problem.“

  • Wo darf ich campen?

Martin Schöneweiß warnt vor allzu romantischen Camper-Illusionen: „Wild campen ist nicht in jedem Land erlaubt, da sollte man sich vorher schlau machen. Oft ist es gestattet, einen Tag zu stehen. Außer in Holland, dort ist man in den Ferienregionen (z.B. Renesse) mittlerweile sehr streng. Wild campen kostet schnell 180€ Strafe pro Nacht.“

Dabei kann das Campen auf dem Campingplatz mindestens genauso abenteuerlich sein. Den Aufenthalt auf diesen außergewöhnlichen Campingplätzen Europas werden Sie garantiert nicht so schnell vergessen!

Campingplatz in SpanienWir bedanken uns bei Martin Schöneweiß für das informative Interview sowie die tollen Bilder seines VW T5 und hoffen, dass wir Ihnen mit unseren Anregungen und Expertentipps weiterhelfen konnten. Viel Erfolg und Spaß beim Ausbau Ihres Minicampers!

Titelbild: ©pixabay/unsplash,Bild1: Opel Kombo Kastenwagen 1.6 CDTI (D). Bildquelle: M 93 at en.wikipedia/ commons.wikimedia.org,Bild2: Chrysler Voyager SE. Bildquelle: Me at en.wikipedia/ commons.wikimedia.org,Bild3/4/6-9/11: ©Martin Schöneweiß/http://www.t5-camping-ausbau.de,Bild5: ©istock/AdamRadosavljevic,Bild10: ©istock/vanbeets