10 Tipps für die Benutzung von Campingtoiletten

chemietoilette

Eine Bedienungsanleitung ist leider keine Wunderwaffe bei Toilettenfragen: Immer wieder begegnen uns im Alltag Probleme, nach denen wir uns in der Gebrauchsanweisung die Finger wund blättern. Wo steht zum Beispiel, wie ich meine mobile Toilette richtig transportiere, ideal entsorge, optimal pflege, oder wie ich sie vor Wind und Wetter schütze? Hier! 10 Erfahrungstipps aus der Praxis.

1. Entsorgung der Chemietoilette: Die goldene „3-Tage-Regel“

Viele Camper interessiert beim Kauf einer Chemietoilette vor allem eins: Wie und wie oft muss das Gerät entleert werden?

Eins ist klar: Jeder Camper hat ganz andere Bedürfnisse und Umgangsweisen und am Ende siegt immer die persönliche Erfahrung. Die Entleerungs-Häufigkeit hängt unter anderem ab von

  • der Temperatur,
  • der Häufigkeit der Benutzung,
  • der Art der Benutzung,
  • sowie der Platzierung der Toilette (Innen- oder Außenbereich).

Wir empfehlen eine Entleerung mindestens alle drei Tage, bei mehreren Personen sogar alle zwei Tage. Dementsprechend sollte aber auch die Dosierung der Chemie angepasst werden! Wird der Tank immer halb voll entleert, sollte auch nur die halbe Menge Chemie zum Einsatz kommen.

Die Vorteile eines regelmäßigen Entleerens vor dem Limit sind:

  • der Tank ist nicht so schwer und kann leichter entsorgt werden
  • schlechte Luftzirkulation und Hitze kreieren über längere Zeitperioden hinweg einen Nährboden für Keime.

Mehr Infos dazu, wie genau eine Chemietoilette entleert wird, finden Sie in unserem Artikel zur Funktionsweise von Chemietoiletten.

2. Gut gepflegt hält das ganze Leben

Putztuch

Regelmäßiges Putzen verhindert langfristige Verunreinigungen.

Eine Chemietoilette kann einen gut und gerne das ganze Leben lang begleiten – insofern man sie gut behandelt!

Schutz vor Fremdkörpern

Das Wichtigste: Das Toilettengehäuse darf mit keinen „fremden“ Materialen wie kleinen Steinen, Sand, Erde etc. in Kontakt kommen, da sie Reibung verursachen und somit die Abnutzung beschleunigen. Auch aggressive Chemikalien sind übrigens „Fremdkörper“!

Einfetten

Vor allem der Dichtungsring der Schiebervorrichtung sollte regelmäßig herausgenommen, gewaschen, getrocknet und anschließend eingefettet werden. Auch ohne Herausnehmen kann er beispielsweise mit Silikon- oder Teflonsprays besprüht werden. Noch besser und schonender für Material und Mensch ist allerdings das Einschmieren mit Olivenöl.

Schmieren mit Olivenöl

Das Öl aus dem Mittelmeerraum hat nicht nur für die Küche Vorteile.

Pflegemittel

Hier empfiehlt es sich, so oft wie möglich so einfach wie möglich vorzugehen. Am effektivsten lassen sich Dreck, Kalk und andere Verunreinigungen in der Toilette mit warmem Wasser und einem Schwamm oder Lappen reinigen – insofern man diesen Vorgang regelmäßig wiederholt. Bei hartnäckigem Urinstein hilft eine Bürste und nur im Extremfall eine stark verdünnte Essigessenz – benutzt man diese zu oft und unverdünnt kann das jedoch der Schieberdichtung schaden. Für äußeren Schmutz und Staub eignen sich Mikrofasertücher.

3. „Toilettenhelfer“ zulegen

Die Benutzung von Chemietoiletten wird erleichtert, wenn man sich als Camper, Kleingartenbesitzer, Bootbesitzer und Co. kleine Dinge zulegt, die große Wirkung haben.

Toilettenpapier

toilettenpapier

Das Enders-Toilettenpapier.

 

Das richtige Klopapier unterstützt Chemietoiletten bei ihrer Arbeit. Es muss besonders dünn oder leicht zersetzbar sein, damit es beim Entleeren des Tanks keine Probleme bereitet. Enders bietet hierzu das WC-Papier Ensan Soft an, das sich vollständig im Tank auflöst.

Mülleimer und Klobürste

Ein kleiner Abfalleimer mit Müllbeuteln kann ein wahrer Segen für eine überbeanspruchte Chemietoilette sein. Hier können Hygieneartikel entsorgt werden, während eine kleine Klobürste das tägliche Reinigen erleichtert und Urinstein vorbeugt – Sie werden es sich beim Entleeren der Chemietoilette selbst danken!

4. Toilettenbenutzung fängt beim Transport an

falscher weg camping

Was kann man bei Chemietoiletten falsch machen?

„Transport“ klingt erst einmal nicht wie ein großes Problem, schließlich sind die meisten Campingtoiletten ja gerade dazu konzipiert, mobil zu sein. Das Enders-Deluxe-Modell beispielsweise ist besonders klein, kompakt, wiegt nur vier Kilo und verfügt sogar über Transportrollen. Was kann man denn da falsch machen? Wenn man alles richtig macht, nichts!

  • Chemietoiletten sind in der Regel völlig leer, sauber, trocken und gut verstaut zu transportieren. Auf diese Art können sie auch problemlos gut gepolstert in Reisetaschen, Koffern oder großen Rucksäcken mitgeführt werden. Denn das Enders Deluxe Modell wiegt bei einer Höhe von 36,7cm, einer Breite von 38cm und einer Tiefe von 44,6cm nur 3,8 Kilogramm (Quelle).
  • Die dazugehörigen Sanitärflüssigkeiten müssen gut verschlossen und gut befestigt transportiert werden, am besten in verschließbaren Kisten. Diese Chemikalien sind zwar meist ungefährlich, sollten aber vor erhöhter Hitze (z.B. in Motor-Nähe) oder Kälte (z.B. nachts ohne Kälteschutz) sowie vor dem direkten Kontakt mit der Haut bewahrt werden. Dafür sollten Sie die Inhaltsstoffe und Sicherheitsinformationen der jeweiligen Sanitärflüssigkeiten kennen! Diese empfehlen meist eine Lagerung und Handhabung im Originalbehälter und fernab von Lebensmitteln.
  • Für Wohnmobile, die über keinen vorgesehenen Platz für ein Chemieklo verfügen, gibt es Toilettenkisten. Diese halten die Toiletten auch bei der Fahrt aufrecht, sind mit etwas handwerklichem Geschick schnell selbst gebastelt – und fungieren als zusätzliche Sitzgelegenheit. Hier ein Beispiel für die Errichtung einer solchen Vorrichtung in einem VW-Bus:
Toilettenkiste camping

Eine Toilettenbox mit praktischer Sitzgelegenheit.

Toilettenkiste Camping Aufbau

Ein simpler Aufbau ermöglicht eine praktische Verstauungsmöglichkeit für das Chemieklo.

 5. Die richtige Unterlage und Umgebung finden

Toilette Wald

Eine Toilette muss immer gut geschützt aufgebaut werden – ganz im Gegenteil zur Toilette auf dem Bild!

Neben dem Aufbau der Toilette, muss bei nicht fest im Wohnmobil installierten Toiletten auch für einen „Toilettenraum“ gesorgt werden. Zentral sind: die richtige Unterlage, eine passende Umgebung, der richtige Schutz sowie ein angemessener Komfort.

Die Unterlage

Die Chemietoilette sollte immer auf einer stabilen Unterlage Platz finden, die eben und gut zu reinigen ist. Somit werden ein einfaches Säubern sowie eine Benutzung ohne Absturzgefahr möglich. Besonders gut eignen sich dafür PVC-Unterlagen, die sehr robust und pflegeleicht sind, sowie beschichtete Polyester-Beläge, die leichter zu transportieren sind.

Die Umgebung

Es gibt einige Orte, die man beim Aufbau einer Chemietoilette lieber meiden sollte:

  • Wald: Ob beim Wildcampen, im Schrebergarten oder auf bewaldeten Campingplätzen: Bäume sind bei der Auswahl des Standortes zu meiden! Denn gerade bei instabiler Wetterlage bergen sie in Kombination mit Wind, Gewitter, Regen und extremer Sonne große Gefahren. Es gelten hier dieselben Regeln wie bei der Suche des perfekten Zelt-Standortes.
  • Wassernähe: Wir Camper wissen: Wasser ist unberechenbar. Ob Meer, Fluss, Wasserfall, See, Teich oder Mulde im Boden, wo sich Regenwasser sammeln kann, lieber einen großen Abstand zu Wasserquellen lassen!
  • Hänge: Alle steilen Flächen können bei starkem Regenfall oder Wind zur absoluten Gefahrenzone werden. Hier sollten weder Wohnwagen, Zelt noch Klo zu finden sein!
  • Menschen: Der Gang auf’s Klo ist ein intimes Ereignis und Klozelte, Kabinen und Wohnwagenwände sollten schalldämmungstechnisch nicht überschätzt werden. Lieber das „stille Örtchen“ auch an einem stillen Örtchen aufbauen, also bevorzugt fern der Campingplatzwege, Nachbarn und Gemeinschaftsbereiche.

Antworten zu allen Fragen rund um Schutz, Komfort und Unterhaltung auf dem Klo lesen Sie übrigens in unserem Beitrag „So verweilen Sie gerne auf dem stillen Örtchen“.

6. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung

Dixiklo Schnee

Schnee hat in der Nähe der Toilette nichts zu suchen!

Auch wenn Chemietoiletten mobil und praktisch sind, sie sind nicht unverwüstlich und sollten für eine längere Lebensdauer gut vor besonders aggressiven Außeneinflüssen geschützt werden. Schützen Sie Ihre Toilette also mit dem richtigen Zubehör vor unserer mitunter wortwörtlich umwerfenden Natur!

Frost und Kälte

Generell gilt: Chemietoiletten sollten nur an warmen oder beheizten Orten beziehungsweise zu warmen Jahreszeiten verwendet werden. Besonders in der Nacht und den frühen Morgenstunden kann es aber auch in gemäßigten Jahreszeiten und vor allem in bergigen Regionen unerwartet zu Temperaturstürzen kommen. Diese haben einen besonders dramatischen Effekt auf das reibungslose Funktionieren von Chemietoiletten: Sie können Spülwasser und Sanitärflüssigkeiten frieren lassen und damit die gesamte Toilettenfunktion außer Kraft setzen. Auch fragile Einzelteile des Systems, wie etwa die Schieberdichtung und der Belüftungsknopf, können beschädigt werden.

Hier gibt es leider keine „magische“ Materialwahl: Der beste Schutz gegen plötzliche Kälte ist ein „Übernachten“ der Toilette im Innenbereich sowie das Abschirmen des Toilettengehäuses mit Hilfe von Wolldecken, Thermodecken, Planen und Co.

Regen

Regen Zelt Camping

Eine gute Ausrüstung kann den Campingurlaub auch bei extremer Wetterlage retten.

Vor Regen wird die Toilette am besten – wenn nicht durch eine Plastikbehausung wie beim Dixi-Klo – durch stabile und wasserdichte Zelte, Pavillons und Toilettenkabinen geschützt. Diese sollten mit robusten Stangen aus Stahl, Aluminium oder Fiberglas gestützt werden. Die Materialien der Zelte sollten besonders wasserabweisend sein und einen hohen Wassersäulen-Wert besitzen – zur Diskussion darüber, was die Bezeichnungen „wasserdicht“ und „Wassersäule“ auf Materialien überhaupt bedeuten, geht es hier.

PVC-Stoffe schützen gut, sind allerdings recht schwer und nicht atmungsaktiv. Ideal für’s Campen ist eine Polyester-Basis, da das Material besonders leicht, rissfest und pflegeleicht ist. Am besten vor Außeneinflüssen geschützt sind Sie mit so genanntem Airtex. Dieses akrylatbeschichtete Polyestergewebe besitzt eine Imprägnierung auf Basis von Teflon und ist damit besonders robust sowie licht- und wasserdampfdurchlässig. Ähnlich funktioniert Trailtex, das eine PU-Beschichtung hat, welche die Wasserdichte des Materials vervielfacht. Weitere Details zu Materialfragen beim Camping gibt es beim ADAC-Campingführer.

Imprägnieren kann dem Toilettenzelte zusätzlichen Schutz bieten. Unser Hausmittel-Tipp: Essigsaure Tonerde (Quelle).

Sonneneinstrahlung und Hitze

Zu viel Licht und Hitze können zu Materialverschleiß und erhöhter Bakterien- und Geruchsbildung führen. Der beste Schutz dagegen ist ein Toilettenzelt, das die Sonnenstrahlen reflektiert. Hierzu eignen sich helle Farben und glänzende Oberflächen. Auch ein Zwei-Lagen-Zelt hilft der Ventilation und schützt das Toilettengehäuse.

7. Testläufe sind ein Muss

Auch wenn man seine Chemietoilette in der Theorie gut kennt, kann in der Praxis noch viel schiefgehen. Probeläufe nur mit Wasser sind also vor jeder Saison Pflicht, um undichte Stellen oder Alterserscheinungen zu lokalisieren und eigene Fehler beim Aufbau zu entdecken. Auch die Entleerung und Reinigung sollte man vor der ersten Benutzung geprobt haben.

8. Sauberkeit ist gut, Hygiene ist besser

Hygiene Camping Toilette

Hygiene muss beim Camping groß geschrieben werden.

Was sauber aussieht, ist noch lange nicht hygienisch. Nirgendwo gilt das mit mehr Nachdruck als auf dem stillen Örtchen, dem absoluten Viren- und Bakterienparadies. Gerade auf Reisen ist der Organismus mit vielen neuen Mikroorganismen konfrontiert, die das Immunsystem ganz schön ackern lassen. Um ihm die Arbeit zu erleichtern, sollten potenzielle Gefahrenherde gemieden werden.

    • Für das Einfüllen der Sanitärflüssigkeiten, die Entsorgung der Ausscheidungen und die Reinigung und Pflege der Chemietoilette unbedingt Handschuhe anziehen!
    • Die Hände sind nach jedem Toilettengang gründlich zu waschen, am besten mit antibakterieller Seife.
    • Einweg-Hygienetücher reinigen Hände praktisch und hygienisch, wenn mal kein Wasser zur Verfügung steht.
    • Einweg-Reinigungstücher sorgen bei Wasser-Knappheit für eine schnelle, effiziente Säuberung der Toilette.
    • Desinfektionsmittel sollten beim Campen nie fehlen.
Wasser hygiene

Mit sorgfältigem Händewaschen kann man beim Campen für Hygiene sorgen.

9. Checklisten können Urlaube retten!

Auch wenn es pedantisch klingen mag: Listen sind bei Camping- und Bootstrips unentbehrlich. Sie sorgen dafür, dass wir bewusst entspannen können, mit vollem Vertrauen, dass wirklich alles an Bord ist. Also schnell unsere große Camping-Checkliste abhaken und ab in die Natur!

10. Ohne Natur kein Camping

Camping Natur Umweltschutz

Die Liebe zu Natur ist der Antrieb vieler Camper.

Wir Camper profitieren von den Ressourcen der Natur und sollten sie deshalb respekt- und liebevoll behandeln. Das gilt insbesondere beim Entleeren und Reinigen der Chemietoiletten. Die Sanitärflüssigkeiten sollten nie mit der Natur in Kontakt kommen und der Tankinhalt sollte nur in dafür vorgesehene Behälter entsorgt werden.

Wer die Natur als Müllhalde benutzt, wird sie beim nächsten Campingurlaub auch als Müllhalde vorfinden. In unserem nächsten Artikel wollen wir Ihnen deshalb ein paar Tipps auf den Weg geben, wie Sie Ihr stilles Örtchen in harmonischem Einklang mit Mutter Erde benutzen.

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